Niederländisches Aromaverbot hat den Schwarzmarkt angeheizt
Ein neuer Bericht der Plattform Prohibition Does Not Work (PDNW) kommt zu einem klaren Ergebnis: Das niederländische Verbot von Aromen in E‑Zigaretten hat weder den Jugendschutz gestärkt noch den Nikotinkonsum reduziert. Im Gegenteil – der Markt ist außer Kontrolle geraten: mit steigender Nutzung unter Jugendlichen, einem wachsenden Schwarzmarkt, verfehlten Gesundheitszielen und einer Rückkehr zum Zigarettenrauchen.
Auf einen Blick
- Der Bericht kritisiert das niederländische Aromaverbot für E-Zigaretten.
- Die Nutzung von Vapes unter Jugendlichen ist laut Studie gestiegen.
- Viele Konsument:innen weichen auf illegale Märkte oder Käufe im Ausland aus.
- Auch der Zigarettenkonsum nahm nach dem Verbot wieder zu.
- Der Bericht warnt vor negativen Folgen nicht evidenzbasierter Regulierung.
Deutlicher Anstieg bei Jugendlichen – sinkende Kontrolle
Das Aromaverbot wurde Anfang 2024 eingeführt, mit Verweis auf einen vermeintlichen „Gateway-Effekt“ bei Jugendlichen. Laut dem Bericht wurde jedoch genau der gegenteilige Effekt erzielt.
Den Daten zufolge hat sich die Nutzung von E‑Zigaretten unter Jugendlichen in den Niederlanden mehr als verdoppelt – von 3,7 Prozent im Jahr 2023 auf 7,6 Prozent im Jahr 2024. Gleichzeitig ist der legale Markt für erwachsene Konsument:innen stark geschrumpft. Viele haben sich stattdessen illegalen Vertriebswegen zugewandt – etwa durch Käufe im Ausland, über unregulierte Onlinehändler oder durch informelle lokale Verkäufe.
Auch der Zigarettenkonsum ist gestiegen. Allein im Jahr 2024 wurden rund 60 Millionen zusätzliche Zigaretten geraucht, und mehr als ein Viertel der ehemaligen Vaper:innen gab an, nach dem Verbot wieder mit dem Rauchen begonnen zu haben oder erstmals zu rauchen.
„Das niederländische Beispiel zeigt, wie schnell gut gemeinte Regulierung gegenteilige Effekte haben kann. Wenn regulierte, weniger schädliche Alternativen vom Markt verschwinden, verschwindet die Nachfrage nicht – sie verlagert sich. Aus Verbraucher- und Public-Health-Perspektive ist das ein klarer Rückschritt“, sagt Markus Lindblad, Kommunikationschef.
Schwarzmarkt statt Verbraucherschutz
Der Bericht weist zudem auf erhebliche Defizite bei der Durchsetzung hin. 42 Prozent der überprüften Händler hielten sich nicht an die Vorschriften, und acht von zehn Konsument:innen gaben an, dass der Kauf aromatisierter E‑Zigaretten weiterhin sehr einfach sei.
Die Entwicklung gilt als klassisches Beispiel gescheiterter Politik: Nachfrage lässt sich nicht durch Verbote beseitigen. Stattdessen werden Verbraucher:innen aus dem regulierten Markt gedrängt – oder zurück zum Rauchen.
„Das ist das genaue Gegenteil effektiver Gesundheitspolitik. Wenn der legale Zugang eingeschränkt wird, die Nachfrage aber bestehen bleibt, wächst der illegale Markt, um die Lücke zu füllen. Das führt zu schlechteren Produkten, erhöhten Risiken für Verbraucher:innen, entgangenen Steuereinnahmen und neuen Möglichkeiten für organisierte Kriminalität.“
Lehren für die EU und Deutschland
Die Ergebnisse sind besonders bemerkenswert, da die Europäische Kommission die Niederlande in ihrer jüngsten Evaluierung der Tabakproduktrichtlinie (TPD) als positives Beispiel für einen „vorsorgebasierten“ Ansatz hervorhebt. Diese Darstellung blendet jedoch die tatsächliche Marktentwicklung aus.
„Das niederländische Aromaverbot zeigt, was passiert, wenn Regulierung nicht evidenzbasiert ist. Europa – und auch Deutschland – sollten daraus lernen, bevor derselbe Fehler wiederholt wird. Wenn das Ziel wirklich darin besteht, das Rauchen zu reduzieren, müssen Regulierung, Wissenschaft und die Realität der Verbraucher zusammenpassen. Verbote lösen das Problem nicht – sie verschieben es.“
Bericht von “Prohibition Doesn’t Work”
Prohibition Doesn’t Work ist eine internationale Advocacy‑Plattform, die sich gegen eine Verbotspolitik in Bereichen wie Nikotin, Vaping und anderen rauchfreien Produkten ausspricht. Sie vertritt die Auffassung, dass Verbote die Nachfrage nicht beseitigen, sondern stattdessen Schwarzmärkte fördern, den Übergang weg vom Rauchen bremsen und die Produktsicherheit sowie den Verbraucherschutz verschlechtern.