Unregulierter Handel dominiert den E‑Zigarettenmarkt in der EU
Nahezu jede zweite in der EU verkaufte E‑Zigarette stammt heute aus unregulierten Quellen. Das geht aus einer neuen Studie des Fraunhofer‑Instituts hervor. Für Deutschland bedeutet dies jährliche Steuerausfälle in Höhe von rund 119 Millionen Euro.
Wie hoch ist der Anteil unregulierter E-Zigaretten in der EU?
Die Studie zeigt, dass etwa 48 Prozent des Marktes aus Produkten bestehen, die geltende Steuer‑, Kennzeichnungs‑ oder Zulassungsvorschriften nicht einhalten oder deren Herkunft nicht nachvollziehbar ist. Dies entspricht einem Marktwert von rund 6,6 Milliarden Euro, mit einer Prognose von 10,8 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030.
Deutschland – ein Knotenpunkt für geschmuggelte E‑Zigaretten
Die Mehrheit der unregulierten Produkte hat ihren Ursprung in China, wobei Shenzhen das dominierende Produktionszentrum ist. Innerhalb der EU fungieren unter anderem Deutschland, die Niederlande und Belgien als Transitländer, über die Produkte mit begrenzter Kontrolle über die Binnengrenzen weitergeleitet werden. Dies ermöglicht sowohl Steuervermeidung als auch die Verbreitung von Produkten, die nationale Anforderungen nicht erfüllen.
„Geschmuggelte Produkte stellen Risiken für den Einzelnen dar, stärken die organisierte Kriminalität und führen zu erheblichen Steuerausfällen. Dies ist eine vorhersehbare Folge einer fragmentierten und unklaren Regulierung“, sagt Markus Lindblad, Kommunikationschef von Vapeglobe.
Der unregulierte Handel belastet öffentliche Finanzen, benachteiligt seriöse Marktteilnehmer und schwächt den Verbraucherschutz. Für Deutschland wird der Steuerausfall im Jahr 2024 auf etwa 119 Millionen Euro geschätzt. Gleichzeitig geraten gesetzestreue Unternehmen unter Druck, da unregulierte Anbieter durch die Umgehung von Vorschriften mit niedrigeren Preisen konkurrieren können.
Bedarf an klaren und umsetzbaren Regelungen
Die Studie warnt davor, dass Verbote und Überregulierung die Situation weiter verschärfen könnten, indem sie den Markt noch stärker in den Untergrund drängen. Stattdessen werden drei Maßnahmen als entscheidend benannt:
- Harmonisierte EU‑Regelungen
- Digitale Rückverfolgbarkeit sowie
- Eine engere Zusammenarbeit mit Herkunftsländern
Die Schlussfolgerung ist eindeutig: Nicht E‑Zigaretten an sich sind das Problem, sondern das Fehlen einer kohärenten und funktionierenden Regulierung. Klare und praktikable Regeln sind entscheidend, um Verbraucher zu schützen, Steuereinnahmen zu sichern und den illegalen Handel einzudämmen.